Programme


Wilhelm Wetekamp – Demokrat, Pädagoge, Naturschützer
Von der Naturkunde zur Bildung für nachhaltige Entwicklung

Flyer [78 KB]

Am 4. September 1859 wurde der Pädagoge und Naturschützer Wilhelm Wetekamp geboren. Anlässlich seines 150. Jubiläums veranstaltet der Arbeitskreis Naturschutzgeschichte am 17. September 2009 im Haus der Natur ein Festkolloquium zu Ehren des ersten Brandenburger Naturschutzbeauftragten. Dabei soll ein Bogen von den Anfängen des Naturschutzes, der naturkundlichen Bildung bis zur heutigen Bildung für nachhaltige Entwicklung geschlagen werden.

Wilhelm Wetekamp war von 1903 bis 1918 Direktor des Werner-Siemens-Realgymnasiums in Berlin-Schöneberg und von 1908 bis 1923 erster Geschäftsführer der Brandenburgischen Provinzialkommission für Naturdenkmalpflege. Von 1907 bis 1919 engagierte er sich außerdem als zweiter Vorsitzender des Bund Heimatschutz in Brandenburg.

Wie anderswo in Deutschland auch waren die Anfänge des Naturschutzes in Brandenburg durch eine enge Verbindung von Naturkunde, Schule und Naturschutz gekennzeichnet. Viele Lehrer wie Wilhelm Wetekamp engagierten sich oft über Jahrzehnte für den Naturschutz. Heute heißen die Stichworte Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung. Wie gestaltet sich heute das Verhältnis zwischen Naturschutz, Umweltbildung und Schule? Wie können schulische und außerschulische Umweltbildung noch enger ineinander greifen? Darüber wollen wir diskutieren und uns austauschen.

Zum Festkolloquium anlässlich des 150. Geburtstages von Wilhelm Wetekamp laden wir Sie herzlich ein.

Regine Auster Dr. Michael Gödde
Arbeitskreis Naturschutzgeschichte


Programm

14.00
Grußworte
Axel Steffen
Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg

Manfred Walhorn
Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg

14.15
Regine Auster
Schule, Natur und Heimat
Das Engagement von Wilhelm Wetekamp als Pädagoge und Naturschützer

14.45
Dr. Hans-Werner Frohn
Naturschutz und Schule 1900 – 1945
Zwischen Naturkunde und Besinnungsbildung

15.15
Kaffeepause

15.30
Prof. Dr. Norbert Jung
Naturschutz und Umweltbildung
Ziehen beide an einem Strang?

16.00
Erfahrungsberichte aus der Praxis
Brigitte Nikoleit, Beraterin für Bildung für Nachhaltige Entwicklung, Maxim-Gorki-Gesamtschule Kleinmachnow
Manfred Lütkepohl, Naturwacht Brandenburg
Dr. Charlotte Bergmann, Besucherzentrum für Natur- und Umwelterziehung „Drei Eichen“

16.45
Podiumsdiskussion

Getrennt oder miteinander?
Schulische und außerschulische Bildung für nachhaltige Entwicklung zwischen Themenvielfalt, Zeit, Kosten und Engagement

Teilnehmer: Ulrike Braun (MLUV), Dr. Heike Wehse (MBJS), Dr. Charlotte Bergmann, Brigitte Nikoleit, Manfred Lütkepohl, Prof. Dr. Norbert Jung

Ort: Haus der Natur, Reimar-Gilsenbach-Saal, Lindenstr. 34, 14467 Potsdam
Zeit: 17. September 2009, 14.00 - 17.00 Uhr

Wilhelm Wetekamp – Demokrat, Pädagoge, Naturschützer

Wilhelm Wetekamp wurde am 4. September 1859 in Lippstadt (Westfalen) geboren.
Er besuchte die dortige Realschule und wurde besonders durch seinen Lehrer, den Erforscher der Blütenbiologie und überzeugten Darwinisten, Dr. Herrmann Müller geprägt. Auf Schulausflügen und Exkursionen lernte Wetekamp die seinerzeit noch reiche Natur der Umgebung Lippstadt kennen, aber auch deren Gefährdung durch die rasch fortschreitende Industrialisierung in dieser Zeit.

Wilhelm Wetekamp studierte an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin, der Universität Jena und an der Universität Breslau. Als Lehrer am Realgymnasium zum Heiligen Geist in Breslau begann er sich für eine Schulreform zu engagieren. Er wurde Mitglied des Vereins für Schulreform und Schriftführer der Breslauer Ortsgruppe. Wetekamp plädierte dafür, die humanistischen und Realgymnasien zusammenzufassen und erst in der Mittel- und gymnasialen Oberstufe spezielle Zweige für Sprachen und Naturwissenschaften vorzusehen. Er engagierte sich auch im Breslauer Humboldt-Verein. Auf seine Initiative wurde in Breslau die Akademie des Humboldt-Vereins, eine Volkshochschule, gegründet.

Von 1893 bis 1903 war Wilhelm Wetekamp Abgeordneter der Freisinnigen Volkspartei (FVp) für den Stadtkreis Breslau im Preußischen Abgeordnetenhaus. Am 30. März 1898 forderte er in einer aus heutiger Sicht bahnbrechenden Rede im Parlament erstmals die Bereitstellung finanzieller Mittel für den Naturschutz. Er setzte sich auch für die Einrichtung von Staatsparks nach dem Vorbild der US-amerikanischen Nationalparks ein, die dazu dienen sollten, „gewisse Boden- und Landschaftsformen zu erhalten, andererseits der Flora und Fauna Zufluchtsorte zu gewähren, in denen sie sich halten“. Wetekamp war der erste, der den Naturschutz aus dem engen Milieu der Naturforscher und Naturkundler herauslöste und ihm im Parlament einen politischen Resonanzboden verschaffte. Seine Rede gab den Anstoß für die Gründung der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen, die 1906 unter der Leitung von Hugo Conwentz eingerichtet wurde.

Ab 1903 baute Wilhelm Wetekamp das Werner-Siemens-Realgymnasium nach dem reformpädagogischen Frankfurter Lehrplan in Schöneberg auf. Von 1906 bis 1924 war er dessen Direktor. Er legte Wert auf die Selbstbetätigung der Schüler und führte als erster an einer Schule in Preußen eine Schülervertretung ein. 1903 gehörte er zu den Begründern der Esperanto-Gruppe in Berlin, bot an seiner Schule fakultativen Esperanto-Unterricht an.

Neben seiner Tätigkeit als Pädagoge engagierte sich Wilhelm Wetekamp viele Jahre auch für den Natur- und Heimatschutz. Von 1907 bis 1919 war er zweiter Vorsitzender des Bund Heimatschutz in Brandenburg. 1908 wurde die Brandenburgische Provinzialkommission für Naturdenkmalpflege gegründet. Wilhelm Wetekamp wurde ihr erster Geschäftsführer, ein Ehrenamt, dass er bis 1923 ausübte. Sein besonderes Interesse galt den Findlingen. Er führte die erste Kartierung in Brandenburg durch und erfasste bis 1917 179 erratische Blöcke.

Wilhelm Wetekamp starb im Alter von 85 Jahren im März 1945 in Berlin.